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Eidgenössische Volksinitiative 'Schutz der Mieter und Konsumenten (Weiterführung der Preiskontrolle)'

Status
Erledigt
Ergebnis
❌ In der Abstimmung abgelehnt
Unterschriftensammlung
1953-09-10
Abstimmungsdatum
1955-03-13
Gültige Unterschriften
202,549
Empfehlung des Parlaments
❌ Ablehnung der Initiative, direkter Gegenentwurf
Empfehlung des Bundesrats
❌ Ablehnung der Initiative, direkter Gegenentwurf
Form
Eidg. Volksinitiative (Ausgearbeiteter Entwurf)
Verfassungsartikel
BV-Zusatz, 10 Art.

Anmerkung: Sammelbeginn: Anfang September 1953. Volksabstimmung: Die Initiative scheiterte einzig am Ständemehr, wobei Stimmen ohne Antwort: Initiative =7'784/Gegenentwurf =14'481.

Initiativtext

Die Volksinitiative lautet:

Die unterzeichneten stimmberechtigten Schweizer Bürger verlangen die Ergänzung der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft durch folgenden Zusatz:

Art. 1

Der Bund trifft im Rahmen der nachfolgenden Bestimmungen Massnahmen zur Sicherung der Kaufkraft und zum Schutze gegen die Teuerung.

Art. 2

Die Preise und Margen für Waren, industrielle und gewerbliche Leistungen sowie die Miet- und Pachtzinse sind zu überwachen.

Art. 3

Treten erhebliche Störungen in den Marktverhältnissen ein oder wird die Preisbildung durch staatliche Schutzmassnahmen beeinflusst, so sind zur Verhinderung unangemessener Preise und Margen von für das Inland bestimmten Waren sowie gewerblichen und industriellen Leistungen Höchstpreisvorschriften zu erlassen und nötigenfalls Preisausgleichsmassnahmen zu treffen.

Art. 4

Die Mietzinse der Wohnungen und Geschäftsräume dürfen ohne behördliche Genehmigung nicht über den am 31. Dezember 1953 zulässigen Stand erhöht werden. Von der Mietzinskontrolle ausgenommen sind die nach dem 31. Dezember 1948 bezugsbereit gewordenen Neubauten sowie die möblierten Einzelzimmer und Ferienwohnungen.

Art. 5

Die Mietzinse dürfen nicht höher festgesetzt werden, als zur Deckung der normalen Hausbesitzlasten, zu einer angemessenen Verzinsung des in der Liegenschaft investierten Kapitals und der seitherigen wertvermehrenden Verbesserungen erforderlich ist. Dabei sind bei vor dem Jahre 1940 errichteten Bauten der Vorkriegswert, bei später errichteten die branchenüblichen Erstellungskosten einzusetzen.

Art. 6

Die Mietzinskontrolle kann schrittweise abgebaut werden, wenn ein nach Wohnungsgrösse und Preislage genügender Leerbestand an Mietobjekten vorhanden ist. Zeitpunkt und Ausmass der Lockerung sind so zu wählen, dass die Lebenshaltungskosten und Einkommensverhältnisse nicht nachteilig beeinflusst werden.

Art. 7

Zum Schutze der Mieter ist das Kündigungsrecht einzuschränken.

Art. 8

Der Pachtzins für landwirtschaftlich genutzte Grundstücke bedarf der behördlichen Genehmigung:

  1. wenn der am 31. Dezember 1953 geltende Stand erhöht werden soll;
  2. wenn Grundstücke seit dem 31. Dezember 1953 erstmals verpachtet werden.

Art. 9

1 Der Bundesrat erlässt die erforderlichen Ausführungsvorschriften.

2 Die Kantone und Wirtschaftsverbände können zur Mitarbeit herangezogen werden.

3 Auf dem Gebiet der Miet- und Pachtzinskontrolle können einzelne Befungnisse an die Kantone übertragen werden.

Art. 10

Die vorstehenden Bestimmungen treten am 1. Januar 1955 in Kraft und gelten bis 31. Dezember 1960.

Massgebend ist der deutsche Text der Initiative.

Chronologie

Unterschriften nach Kanton

Geodaten © swisstopo

KantonEingereichtGültig Ungültig Anteil an der Bevölkerung (%)
Zürich 45,710 45,689 21 5.39
Bern 38,791 38,716 75 4.63
Luzern 7,861 7,853 8 3.34
Uri 941 936 5 3.13
Schwyz 1,233 1,232 1 1.67
Obwalden 63 63 0 0.28
Nidwalden 331 331 0 1.61
Glarus 1,032 1,031 1 2.67
Zug 1,133 1,133 0 2.45
Freiburg 2,929 2,917 12 1.84
Solothurn 5,660 5,639 21 3.09
Basel-Stadt 13,323 13,323 0 6.4
Basel-Landschaft 3,540 3,508 32 2.83
Schaffhausen 3,076 3,060 16 5.02
Appenzell Ausserrhoden 1,175 1,172 3 2.42
Appenzell Innerrhoden 87 87 0 0.66
St. Gallen 8,952 8,951 1 2.79
Graubünden 2,662 2,657 5 1.88
Aargau 10,280 10,268 12 3.16
Thurgau 3,739 3,732 7 2.39
Tessin 6,012 5,971 41 3.26
Waadt 15,093 15,066 27 3.78
Wallis 2,327 2,304 23 1.38
Neuenburg 10,438 10,415 23 7.66
Genf 16,542 16,495 47 7.32
Schweiz 202,930 202,549 381 4.05

Bevölkerungsschätzungen: Bundesamt für Statistik / HSSO

Volksabstimmung vom 13. März 1955

Volksinitiative: Die Vorlage wurde abgelehnt (Ja 50.24% / Nein 48.77%)

Anmerkung: Es fehlen die Angaben über die gültigen Stimmen ohne Antwort (Stimmen, die einzig den betreffenden Vorschlag [Initiative oder Gegenentwurf] unbeantwortet liessen, nicht aber dessen Alternative. Sie gelten daher nicht als leere Stimmen). Stimmen ohne Antwort Initiative: 7'724, Gegenvorschlag: 14'481 (In Betracht fallende Stimmen-(Ja Stimmen+Nein Stimmen)). Vgl. hiezu auch BBl 1984 II 392f.

Ergebnisse nach Kanton

Geodaten © swisstopo

KantonJa-Anteil (%) Ja-StimmenNein-Stimmen Stimmbeteiligung (%)
Zürich 54.66 88,215 71,761 65.96
Bern 55.43 63,677 50,019 46.53
Luzern 37.92 14,304 23,177 56.28
Uri 37.84 1,883 3,030 62.84
Schwyz 31.84 3,586 7,532 54.26
Obwalden 17.58 483 2,251 43.2
Nidwalden 34.86 1,158 2,153 58.8
Glarus 46.55 3,149 3,529 62.95
Zug 40.6 2,337 3,350 46.11
Freiburg 42.57 6,863 9,200 35.15
Solothurn 47.64 14,175 15,247 56.29
Basel-Stadt 63.17 22,733 12,641 56.35
Basel-Landschaft 53.37 9,863 8,374 53.4
Schaffhausen 49.25 6,842 6,939 84.37
Appenzell Ausserrhoden 38.21 3,359 5,353 66.57
Appenzell Innerrhoden 20.81 339 1,283 45.78
St. Gallen 34.77 20,126 37,397 69.28
Graubünden 39.44 7,701 11,360 55.35
Aargau 46.52 32,306 35,803 80.3
Thurgau 42.02 13,106 17,582 76.28
Tessin 52.25 9,563 8,672 37.73
Waadt 62.04 29,104 17,809 41.5
Wallis 42.3 7,611 10,294 38.22
Neuenburg 65.0 14,952 7,893 56.26
Genf 63.71 15,153 8,481 37.82
Schweiz 50.24 392,588 381,130 55.53

Gegenentwurf: Die Vorlage wurde abgelehnt (Ja 40.68% / Nein 57.46%)

Ergebnisse nach Kanton

Geodaten © swisstopo

KantonJa-Anteil (%) Ja-StimmenNein-Stimmen Stimmbeteiligung (%)
Zürich 37.9 61,168 96,967 65.96
Bern 36.2 41,584 70,897 46.53
Luzern 52.1 19,654 17,682 56.28
Uri 53.66 2,670 2,236 62.84
Schwyz 52.69 5,934 5,097 54.26
Obwalden 67.24 1,847 878 43.2
Nidwalden 54.82 1,821 1,482 58.8
Glarus 36.29 2,455 4,208 62.95
Zug 48.59 2,797 2,850 46.11
Freiburg 50.64 8,163 7,850 35.15
Solothurn 45.54 13,550 15,760 56.29
Basel-Stadt 31.65 11,389 23,189 56.35
Basel-Landschaft 37.82 6,989 11,049 53.4
Schaffhausen 28.0 3,890 9,410 84.37
Appenzell Ausserrhoden 36.25 3,187 5,460 66.57
Appenzell Innerrhoden 59.12 963 564 45.78
St. Gallen 55.0 31,839 25,442 69.28
Graubünden 51.2 9,997 8,931 55.35
Aargau 40.46 28,097 39,671 80.3
Thurgau 44.62 13,915 16,521 76.28
Tessin 45.52 8,332 9,838 37.73
Waadt 30.51 14,314 32,229 41.5
Wallis 50.18 9,029 8,827 38.22
Neuenburg 27.93 6,424 16,255 56.26
Genf 33.32 7,926 15,614 37.82
Schweiz 40.68 317,934 449,087 55.53

Eidgenössische Daten von der Bundeskanzlei über LINDAS

Kantonsbevölkerung vom Bundesamt für Statistik und der Historischen Statistik der Schweiz (HSSO)

Kantonale Register